Medienbruch

Medienbruch

Benötigt man im Internetzeitalter noch Radio und Fernseher? Abbi meint: nein! Folge interessanten Verweisen auf TV-Alternativen!

Komplettpakete

Noch vor wenigen Jahren konnte man Fernsehprogramme ausschließlich über das Fernsehgerät empfangen. Wachsende Bandbreiten und neue Technologien eröffnen jedoch neue Unterhaltungsmöglichkeiten im Internet.

Einige Sender haben inzwischen das Internet als zusätzliche Möglichkeit zur Ausstrahlung ihres Programms erkannt. Beispielsweise strahlen Phoenix, n-tv und die Deutsche Welle ihr Programm parallel auch auf diese Weise aus.

Doch erst die gezielte Nutzung spezifischer Interneteigenschaften eröffnen neue Möglichkeiten. So stellt der WDR mit seiner Mediabox, der MDR mit seinem Multimedia-Bereich, das ZDF mit seiner sehr umfangreichen ZDFmediathek und die ARD mit DasErste.de zahlreiche Sendungen in ein Archiv, sodass man sie zu einem beliebigen Zeitpunkt betrachten kann – undenkbar im herkömmlichen TV. Ein derartig angebotenes Video wird als Abrufvideo bezeichnet und als SF Videos auch vom Schweizer Fernsehen angeboten.

Weltgeschehen

Umfangreich ist auch das Angebot der ARD-Nachrichtensendungen. Aktuelle Tagesschau- und Tagesthemen-Sendungen lassen sich nicht nur parallel zur TV-Ausstrahlung betrachten; es sind im Archiv zugleich die Sendungen der letzten Jahre verfügbar. Mit EinsExtra aktuell steht nachmittags im Web ein umfangreiches Informationsangebot von ARD-aktuell zur Verfügung. In der erwähnten ZDFmediathek lassen sich heute-Sendungen anschauen. Tagesaktuelle Sendungen bietet auch der ORF mit ZIB 2 und lokalen Nachrichten. EuroNews zeigt Beiträge sogar in verschiedenen Sprachen.

Nach einer einmaligen Anmeldung sind auch historische Nachrichtensendungen im Wochenschauarchiv zu finden. Nicht alle, aber viele der vergangenen Sendungen des ARD-Auslandsmagazins Weltspiegel werden ebenfalls archiviert. Zusätzlich wird ein Begleittext zur Sendung angeboten.

Doch auch klassische Printmedien haben sich auf den neuen Trend eingestellt. So bietet Spiegel TV täglich mit den Video-News einige Nachrichten als Videos an.

Unterhaltung

Neben Nachrichtensendungen werden mittlerweile auch zahllose Unterhaltungssendungen im Internet angeboten. Die ARD-Talkshows Beckmann und Maischberger können auch im Nachhinein im Archiv abgerufen werden. Kollege Kerner hat einen eigenen Platz in der bereits erwähnten ZDFmediathek.

War man früher noch geneigt, für die Harald-Schmidt-Show den Fernseher zu behalten, so hilft Schmidts Liveübertragung im Internet des WDR nun problemlos darüber hinweg.

Auch fiktive Unterhaltung wie die humoristische Serie Stromberg auf Pro7 ist im Web vertreten. Leider strahlen gerade viele Privatsender – wenn überhaupt – nur einen Teil ihres Programms im Internet aus.

Nischenfernsehen

Das Internet bietet neue Nischen. Sendungen richten sich nicht mehr unbedingt an ein Durchschnittspublikum, wie dies bei einer begrenzten Anzahl von TV-Kanälen fast zwangsläufig der Fall ist.

Beinahe Kultstatus hat der Filosof und Astrophysiker Harald Lesch mit seiner Sendung Alpha Centauri erreicht. Im herkömmlichen Fernsehen war sie ins Nachtprogramm verbannt, nun lässt sie sich jederzeit abrufen. Gleiches gilt für Geist und Gehirn mit Manfred Spitzer.

Doch auch IT-Anhänger kommen mit dem c't magazin.tv auf ihre Kosten. Die Lerntrainerin Vera F. Birkenbihl will mit ihren Kopfspiele-Sendungen zur Lust am Lernen verführen. Und auch Polylux bietet die aktuelle Sendung im Internet an.

Radio

Während Radiosender früher auf eine lokal eng begrenzte Hörerschaft vertrauen mussten, lassen sich sehr viele Radiosender nun weltweit empfangen.

Durch die Liveströme kommen nun auch Norddeutsche in den Genuss des Wiener Radiosenders FM4 oder des beliebten Senders SWR3 aus Baden-Baden; auch im Süden kann man nun den Indiesender Motor FM aus Berlin empfangen. Die Konkurrenz der Sender wächst, die Hörer können dem Dudelfunk endlich entkommen. Viele Sender blenden während der Ausstrahlung Zusatzinformationen ein, etwa die aktuell ausgestrahlten Interpreten.

Neben regulären Hörfunksendern entwickeln sich zunehmend native Internetsender, die vornehmlich im Internet ausstrahlen und meist nur wenige Zuhörer haben. Beispielsweise bieten Universitäten, freie Gruppen oder Privatpersonen solche Programme an. Bei der Ausstrahlung urheberrechtlich geschützter Lieder bewegen sich viele Anbieter jedoch in einer rechtlichen Grauzone.

Fazit

Fast unbemerkt hat sich das Internet zu einer Gefahr für das klassische Fernsehen entwickelt. Immer mehr Sender strahlen ihr Programm in Teilen auch im Internet aus. Leider sind die Sendungen jedoch häufig noch sehr kurz, der Fokus der Sender liegt noch immer auf klassischer Ausstrahlung.

Auffällig ist das Fehlen von Kultursendungen. Hier scheinen lizenzrechtliche Probleme ursächlich zu sein, da viele Beiträge von Kultursendungen Drittmaterial verwenden, das sich nur eingeschränkt im Internet nutzen lässt. Trotz aller Fortschritte wird es wohl noch eine Weile dauern, bis Rechner und Fernseher endgültig verschmolzen sind. Doch Video-Podcasts, Standleitungen und Privatangebote lassen weitere Hoffnungen aufkommen.